Tipps für gelingende Beziehungen (13)

Dr. Luitgard Derschmidt
19.04.2017 - 06:00

Schon lange wollte ich als „Betroffene“, wie man so schön sagt, über das Thema Großeltern schreiben. Großvater bzw. Großmutter zu sein, ist meist etwas sehr Schönes. Nicht nur Frauen, auch Männer bekommen zuweilen so einen glücklichen Blick, wenn sie von ihren Enkelkindern sprechen, die natürlich die liebsten, schönsten und gescheitesten Kinder auf der ganzen Welt sind! Und man freut sich, wenn sie kommen, man darf sich aber auch freuen, wenn sie wieder gehen und Ruhe einkehrt. Wenn sie da sind, darf man sie liebhaben und verwöhnen, das steht den Großeltern zu. Das heißt aber beileibe nicht, dass man sich alles von ihnen gefallen lassen muss. Übergriffiges Verhalten darf man nicht dulden, schon im Interesse des Kindes selbst. Kinder müssen lernen, dass es Grenzen gibt. Am besten können sie diese Grenzen verstehen, wenn man ihnen erklärt, dass sie die Grenzen des/der anderen überschreiten. „Ich muss jetzt …, dann habe ich wieder Zeit für dich.“ Das muss aber auch eingehalten werden.

Zweite Chance für Großväter

Großmütter waren im Lauf der Zeit schon immer sehr wichtig und es gibt viele Geschichten über geliebte und verständnisvolle Omas, die für das Leben ihrer Enkelkinder ganz wichtig waren. Therapeuten sagen aber, dass heute vor allem auch die Großväter immer wichtiger werden, weil Kinder fast nur mehr mit Frauen zu tun haben, im Kindergarten, in der Schule usw. und die Väter oft wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen können oder wollen - aus ganz unterschiedlichen Gründen. Da werden Großväter – Männer – gebraucht, die mit den Kindern sprechen, basteln, etwas unternehmen. Für die Großväter ist das oft auch so etwas wie eine zweite Chance: Sie können das nachholen, was sie bei den eigenen Kindern versäumt haben. Aber Kinder sind vom ersten Tag ihres Lebens an eigenständige Personen und als solche müssen sie auch behandelt werden, auch wenn sie Vieles nicht wissen können und erst lernen müssen. Wertschätzung und Achtung braucht auch schon ein ganz kleiner Mensch genauso wie das Angebot, von den Erfahrungen der Älteren zu lernen. Sie müssen ihre eigenen Wege finden, ihre Welt ist anders als unsere war.

Kein dauerndes Zurückjammern

Manche Omas und Opas jammern ununterbrochen, wie schlecht heute alles ist und wie gut alles früher war. Das stimmt aber nachweislich absolut nicht, es war früher einfach nur anders. Für uns Alte kann das so ausschauen, aber die Jüngeren müssen die Zukunft gestalten und meistern und positiv in das Morgen schauen, damit sie ihre Wege zuversichtlich gehen können. Da hilft ein dauerndes Zurückjammern und ein Beharren darauf, dass es immer so sein und bleiben muss, wie es immer schon war, wenig. Auch wenn Enkel gerne Geschichten von früher hören (zumindest unsere mögen das sehr!), so darf es dabei nicht um Bewertung, um „Schlechter“ oder „Besser“ gehen, sondern darum, dass es einfach anders und für die/den Erzählenden persönlich schön oder beängstigend oder ähnliches war.

Meine Erinnerungen und meine Gefühle teile ich mit, aber keine absoluten Wahrheiten. Mit rückwärtsgewandten Überzeugungen und Vorstellungen, wenn sie als die einzige Möglichkeit den Kindern übergestülpt werden, kann man diese sehr wohl belasten, ihnen sogar schaden. Noch dazu, wenn die Eltern, die ja die Erziehungsverantwortung tragen, anderer Meinung sind.

Dr. Luitgard Derschmidt, In: Pfarrbriefservice.de

Zu den weiteren Texten der Reihe

Hinweis zum Text: Der Fachausschuss Ehe und Familie des Pfarrgemeinderates von Ebenau bei Salzburg gibt mit regelmäßigen Impulsen Anregungen im Pfarrbrief, damit Beziehungen gelingen. Die Autorin Dr. Luitgard Derschmidt stellt diese Impulse auch anderen Pfarrbriefredaktionen zur Verfügung.

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Text: Dr. Luitgard Derschmidt
In: Pfarrbriefservice.de