Religiöses Buch des Monats März 2017

St. Michaelsbund
28.02.2017 - 05:57

Mystik ist kein elitärer Sonderweg, der nur großen Heiligen zugänglich wäre, betont Gotthard Fuchs, der sich schon seit Jahrzehnten intensiv mit Mystik beschäftigt. In jedem Menschen wohnt eine tiefe Sehnsucht, die mehr will als das bloß Alltägliche. Mystiker versuchen nun aber gerade nicht, das Alltägliche abzuwerten. Vielmehr zielen sie darauf ab, dass die Gegenwart Gottes auch im Alltag erfahrbar wird.

Dafür ist es entscheidend, ein Bewusstsein eines größeren Zusammenhangs zu entwickeln, der alles trägt, durchdringt und bestimmt. In diesem Bewusstsein gelingt es einem mystischen Menschen, auch im Alltäglichen immer wieder zu entdecken, dass das scheinbar Selbstverständliche gar nicht so selbstverständlich, sondern eigentlich ganz wunderbar und geheimnisvoll ist.

Fragen zulassen

So betrachtet kann man eben auch in wirklichen Alltäglichkeiten Gottes Gegenwart entdecken und bestaunen – vom morgendlichen Erwachen über das Ankleiden und Essen bis zur Langeweile und dem Aufräumen. Mystik besteht in jedem Fall darin, Fragen zu stellen – aber auch sich selbst fragen zu lassen. Glauben ist keine Einbahnstraße, deshalb kann der Mystiker auch nicht im reinen Innerlichen verbleiben und sich der Welt entziehen.

Innerlichkeit und Handlung

Der Ort, an dem Innerlichkeit und Handlung zusammenwirken, ist für Gotthard Fuchs in erster Linie das Gebet. Gerade im Bittgebet zeigt der Betende, dass er nicht nur auf das Mögliche setzt, das er selber tut, sondern Gott auch noch das Unmögliche zutraut. Natürlich bleibt es aber Gottes Freiheit überlassen, auf welche Art und Weise er das Gebet erfüllt. Die intensivste Gebetserfahrung überhaupt hat Jesus am Ölberg gemacht, und an diesem Beispiel können wir lernen, dass es im Gebet letztlich darum geht, Gottes Willen auch zum eigenen zu machen.

Erhellendes für den Alltag

Das Buch besteht aus kurzen Abschnitten, die ursprünglich als in sich abgeschlossene Kolumnen verfasst wurden, so sind sie leicht und relativ unabhängig voneinander zu lesen, weil sie bereits ab dem zweiten Kapitel immer wieder erhellende Lichter auf den Alltag werfen – und so in jeder Hinsicht alltags-tauglich sind. Den meisten Leserinnen und Lesern kommt es dabei wohl entgegen, dass Gotthard Fuchs vor allem drei Frauen des 20. Jahrhunderts mit ihren Erfahrungen immer wieder anführt: Simone Weil, Edith Stein und Madeleine Delbrêl. (Sankt Michaelsbund)

Gotthard Fuchs: Vom Göttlichen berührt. Mystik des Alltags. Freiburg : Herder-Verlag, 2017. – 144 S.; 14,99 €

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

Ab sofort ist bei Angabe der Quelle der freie Abdruck des Textes erlaubt.

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Text: St. Michaelsbund
In: Pfarrbriefservice.de