Ein Interview über Gotteserfahrungen mitten im Alltag

Elfriede Klauer
27.09.2017 - 18:36

Klaus Jäkel bezeichnet sich selbst als Laien-Mystiker, ist über 80 Jahre alt und fühlt sich „so neu wie ein Kind“: Für ihn, den ehemaligen Lehrer und Hochschuldozenten, missio-Abteilungsleiter, Autor und Anleiter für Klangschalen-Meditationen, sind mystische Erfahrungen ein großes Geschenk. Ein Interview mit ihm über Begegnungen mit Gott im Alltag.

Was ist Mystik?

Klaus Jäkel: Mystik ist Freude an Gott, das ist Gott im Alltag. Mystik ist die gelebte Sehnsucht nach der Lebensquelle, nach der inneren Mitte, die mich spüren lässt: Gott ist da und er sehnt sich nach mir wie ich mich nach ihm. Ich verwende das Wort „Mystik“ für diese Erfahrungen ungern. Dieses Wort ist leicht zu missbrauchen, es ist oft negativ besetzt und wird leicht in die Tiefenpsychologie oder ins Mysteriöse abgedrängt.

Was wäre ein besseres Wort?

Klaus Jäkel: Erfahrung oder Erlebnis. Mystik ist eine persönliche Gotteserfahrung, die jeder von uns machen kann und macht, auch wenn es ihm oftmals nicht bewusst ist.

Jeder kann ein Mystiker sein?

Klaus Jäkel: Natürlich. Karl Rahner, der große Theologe des Zweiten Vatikanischen Konzils, hat einmal formuliert: „… der Fromme von Morgen wird ein ‚Mystiker’ sein, einer, der etwas ‚erfahren’ hat, oder er wird nicht mehr sein, weil die Frömmigkeit von morgen nicht mehr durch ... selbstverständliche öffentliche Überzeugung und religiöse Sitte aller mitgetragen wird ...“. Wir Menschen suchen die Erfahrung, nicht die Lehren. Und Gott ist in jedem Menschen da. Wir übersehen das nur oft oder verneinen es.

Was sind das für Erfahrungen, um die es bei der Mystik geht? Sind das so dramatische Erlebnisse, wie Paulus sie hatte, als Jesus ihm erschien, er vom Pferd fiel, vorübergehend erblindete und danach radikal sein Leben änderte?

Klaus Jäkel: Solche Erlebnisse können wie ein Erdbeben sein. Aber oft sind es eher kleine Fingerzeige mitten im Alltag, in denen wir Menschen die unendliche Zartheit und Liebe Gottes spüren können. Mystiker wissen, Gott ist in allem, im Lachen eines Kindes beispielsweise, im unerwarteten Telefonanruf eines geliebten Menschen, im Antlitz eines Anderen, in einem Schmetterling, einer Blume am Wegrand, im Gesang, in der Musik, im Tanz oder in einem schönen Bild. Jede echte Kunst ist eigentlich religiöse Kunst, in deren Schönheit man eben auch Gott erfahren kann.

Da begegnet einem Gott am Tag viele Male und wir merken es nicht? Was muss man tun, um Gotteserfahrungen machen zu können?

Klaus Jäkel: Gar nichts. Es ereignet sich, man kann es nicht machen. Ein direktes Suchen wird nicht gelingen, weil wir dann Gott verzwecken – gebrauchen wollen. Meister Eckhart, der große Mystiker des Mittelalters, sagte einmal: „Gott zu lieben, weil ich Gutes von ihm erwarte, führt zu nichts.“ Gott ist Liebe und Liebe ist absichtslos. Sie verschenkt sich ohne Berechnung. Deswegen können Liebende auch oft eine Gotteserfahrung machen. Sie spüren, da ist Gott dabei, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist.

Aber wir Menschen sind so mit anderen Dingen beschäftigt. Wie sollen wir merken, wenn uns Gott durch eine Blume oder durch einen anderen Menschen begegnen will?

Klaus Jäkel: Was hilft ist, offen zu sein. Wirklich offen zu sein – in heilsamer Absichtslosigkeit. Meist erwarten wir das, was wir erwarten wollen, und können das, was uns begegnet, nicht wahrnehmen. Das Ziel ist die Leere – leer werden von Erwartungen, Vorstellungen, Gottesbildern. Damit Gott die Leere füllen kann mit seiner Liebe. Und damit wir herauskommen aus dem Schmoren im eigenen Saft.

Wie kann das gelingen?

Klaus Jäkel: Das ist schwer. Aber es hilft auch nichts, sich zu überanstrengen. Wer sich auf diesen Weg machen will, dem empfehle ich, verschiedene Meditationsangebote auszuprobieren. Wichtig ist dabei, sich nicht vereinnahmen zu lassen und sich nicht von einem „Guru“ abhängig zu machen, sondern seinen eigenen Weg finden zu dürfen.

Was sind Ihre persönlichen Gotteserfahrungen?

Klaus Jäkel: Meine große Gotteserfahrung ist, dass ich Gott als Partner erleben darf, als großes Du, als Gegenüber und Lebensgrund, wie ich es auch in drei Texten beschrieben habe. Gott nimmt mich so ernst, dass er meine Liebe braucht, wie ich seine Liebe brauche. Gott hat sich herabgelassen, auch in das Dunkel menschlicher Existenz. Das ist das tiefste Geheimnis der christlichen Mystik.

Interview: Elfriede Klauer, Pfarrbriefservice.de

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Text: Elfriede Klauer
In: Pfarrbriefservice.de