Liedportrait (7): "Dieser Tag ist Christus eigen" (GL 103)

Prof. Dr. Meinrad Walter
13.05.2013 - 00:00

Worte von Peter Gerloff (geb. 1957), Musik von Gilbert König (1909–1977)

Gottesdienst ist „Unterbrechung“ des Alltags und Hören auf Gottes Melodie. Der Sonntag ist der „Tag der Tage“, an dem wir uns daran erinnern, dass Gott das Zentrum ist. Eine Theologie des Sonntags kann bei der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament ansetzen: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut. Er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig.“ (Genesis 1,31a; 2,2b-3a).

Tag der Erlösung

Warum aber ist dieser Tag „Christus eigen“? Weil er nicht nur der Tag der Schöpfung, sondern auch der Tag der Erlösung ist. Genau hier setzt das Lied an, beim Tag der Auferstehung. Jeder Sonntag will an den Ostermorgen erinnern, der „die Todesnacht durchbricht“. Wir lesen davon im Buch der Bibel, nun im Neuen Testament. Die erste Strophe dieses Liedes liest aber auch im „Buch der Natur“, denn sogar das „Morgenlicht“ bezeugt Gottes Walten. Insgesamt bedenkt und besingt die erste Strophe die Herkunft des Sonntags aus dem Ereignis der Auferstehung Christi.

Die zweite Strophe nennt die Gegenwart. Wir sind mitten in der Feier und erinnern uns an Christi Leid und Auferstehung. Sein „Gedächtnis“ feiern wir, weil er es so gewollt hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Dabei wird unsere Gegenwart auch zur Gegenwart Christi, denn er geht „menschlich“ mit uns: im menschgewordenen Sohn Gottes, aber auch in den Mitmenschen.

Tag des Segens

Um Zukunft und Vollendung geht es in der dritten Strophe. Der Sonntag ist ein Segen! Aber wir bleiben oftmals hinter seiner Verheißung zurück in „Mühsal, Leid und Plage“. Dennoch ist die Verheißung universal, der ganzen Welt zugesprochen. Nicht nur einige wenige dürfen ausruhen, weil andere für sie arbeiten, selbst am Sonntag. Die sonntägliche Hoffnung heißt, „dass für alle Sonntag wird“.

Der Verfasser ist Peter Gerloff, Autor sehr vieler Liedtexte. In diesem Lied geht er einen poetisch-theologischen Sonntagsspaziergang: vom Sonnenaufgang in Gottes Natur (Strophe 1) über die Feier der Erlösung in Kirche und Gottesdienst (Strophe 2) bis zur nicht immer sonntäglichen Welt, die der Geist durchdringen und erneuern will (Strophe 3).

Geschickte Komposition

Der vierzeiligen Melodie im weiträumigen 6/4-Takt eignet ein hymnischer Fluss. Der erste Takt jeder Phrase ist gleich gebaut, allerdings wechselt die Tonhöhe: die erste Zeile festigt die Grundtonart F-Dur, die zweite steht eine Terz tiefer, die dritte dann eine Terz höher als der Beginn, und die vierte Zeile kehrt mit einer leichten Variation wieder zur ersten zurück. Ähnlich geschickt ist das Ende jeder Zeile komponiert: die erste schafft eine gute Verbindung zur zweiten; nach Zeile 2 gibt es eine Zäsur auf der Dominante, wohingegen der Übergang von 3 nach 4 den Grunddreiklang beschreibt. Nur eine Zeile aber kommt auf dem Grundton zur Ruhe, nämlich die letzte.

So einfach sind gute Lieder! Ursprünglich ist die um 1939 entstandene Melodie mit dem Grüssauer Marienlied „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“ verbunden, dessen Text von Georg Thurmair stammt. Gilbert König, der Komponist der Melodie, war Benediktinermönch im Kloster Grüssau und später Pfarrer der Gemeinde Heilig Kreuz in Bad Wimpfen sowie Organist und Kantor der Abtei Wimpfen im Tal.

Meinrad Walter
Prof. Dr. Walter ist Referent im Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.

Hinweis für Pfarrbriefredaktionen: Die Liedportraits dienen dazu, ausgewählte Gesänge des neuen Gotteslob, das im Advent 2013 zu kaufen sein wird, bereits jetzt der Gottesdienstgemeinde vorzustellen. Ein Andruck des neuen Gotteslob steht allen Gemeinden seit Februar 2013 zur Verfügung. Kopien daraus sind für den Gebrauch im Gottesdienst zulässig. Ein Abdruck im Pfarrbrief muss im Allgemeinen von den Rechteinhabern (Melodie/Text) genehmigt werden.

Text:
Der Autor Peter Gerloff hat kostenlose Abdruckrechte für kirchliche Publikationsorgane für den Einführungszeitraum gewährt (auch für Websites).

Melodie:
Ihre Abdruckanfrage für die Melodie des obigen Liedes senden Sie bitte an:

Abtei Neuburg
Zentrale
Fon: 06221 / 895-0
Fax: 06221 / 895-166 Abtei Neuburg
Stiftweg 2
69118 Heidelberg

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Text: Prof. Dr. Meinrad Walter
In: Pfarrbriefservice.de