Eine Geschichte für Kinder

Erwin Grosche, www.bonifatiuswerk.de
26.01.2018 - 12:22

Thomas war schlecht gelaunt. Er sollte sein Zimmer aufräumen. Das war nichts Neues. Er sollte jeden Montag sein Zimmer aufräumen, aber es machte ihm keinen Spaß. Er saß mit seinem Vater in der Küche und machte ein langes Gesicht. „Du weißt, dass ich dich liebe“, sagte sein Vater, „aber bei so was muss ich streng sein.“

Thomas schaute seinen Vater an und zog die Nase hoch. Er stellte sich Liebe anders vor. „Ich glaub das nicht, ich seh das nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ich glaub das nicht, ich seh das nicht, ich sage einfach nein.“ Sein Vater schüttelte den Kopf. Wie konnte Thomas nur so ungläubig sein.
„Und wer geht immer mit dir zum Fußballspielen?“, fragte er. „Wer holt dich immer vom Klavierunterricht ab, und wer hat, als du Geburtstag hattest, die ganzen Waffeln gebacken?“ Thomas nickte. Da war was dran. Das konnte Liebe sein. „Und trotzdem wirst du heute dein Zimmer aufräumen“, sagte sein Vater. „Sieh das ein.“

Thomas lief auf sein Zimmer. Wie so oft war er überzeugt, dass jeder ihn nur ärgern wollte. Er lag angezogen in seinem Bett und wollte nicht aufstehen. „Keiner mag mich“, murmelte er. „Alle schubsen mich herum und lachen mich aus.“ Es klopfte. Seine Mutter kam ins Zimmer und setzte sich auf sein Bett. „Was ist denn, Thomas?“, fragte sie und drückte seine Hand. Thomas zog seine Hand aus ihrer Hand und sagte: „Keiner mag mich. Alle lachen mich aus. Ich bin es leid.“ Da schüttelte seine Mutter ihren Kopf. „Du bist mein Schatz“, sagte sie. „Das weißt du doch? Und trotzdem wirst du heute dein Zimmer aufräumen.“
Thomas schaute seine Mutter an und zog die Nase hoch. Er stellte sich das anders vor, wenn man jemandes Schatz war. „Ich glaub das nicht, ich seh das nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ich glaub das nicht, ich seh das nicht, ich sage einfach nein.“
Seine Mutter schüttelte ihren Kopf. Wie konnte man nur so ungläubig sein. „Und wer weckt dich jeden Morgen mit einem Kuss?“, fragte sie. „Wer kocht dir alle deine Lieblingsgerichte, und wer weiß genau, wie er dich zum Lachen bringen kann?“ Dann kitzelte sie ihn so wild, bis Thomas lachend aus dem Bett fiel. Thomas nickte. Da war was dran. So was tut man nur für seinen Schatz. „Und trotzdem wirst du heute dein Zimmer aufräumen“, sagte seine Mutter. „Sieh das ein.“

Thomas war wütend. Er wollte nicht sein Zimmer aufräumen. In seinem Zimmer sah es aus, als hätten dort vierzig Monster eine Party gefeiert. „Ich finde Zimmeraufräumen bescheuert“, murmelte er. „In einer Woche sieht es dort wieder ganz genauso aus.“ Plötzlich stand Inka in seinem Zimmer. Er hatte sie gar nicht kommen gehört. Inka war die Freundin von Thomas. Manchmal kam sie einfach vorbei und besuchte ihn. Sie hatte eine Schokolade dabei.
„Wie siehst du denn aus?“, fragte sie. „Ich habe schlechte Laune“, sagte Thomas. „Alle ärgern mich, und immer soll ich mein Zimmer aufräumen. Keiner hat mich gern.“ Inka schüttelte den Kopf. „Ich habe dich gern“, sagte sie. „Du bist mein Freund.“ Thomas verdrehte die Augen. Das hatte ihm noch gefehlt. Damit konnte er jetzt gar nichts anfangen. „Ich glaub das nicht, ich seh das nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ich glaub das nicht, ich seh das nicht, ich sage einfach nein.“
Inka lachte. Wie konnte man nur so ungläubig sein. „Wer besucht dich dreimal die Woche?“, fragte sie. „Wer bringt dir immer eine Schokolade mit und hilft dir manchmal beim Zimmeraufräumen?“ Thomas nickte. Da war was dran. So was tut man nur, wenn man mit jemand befreundet ist.

Sie räumten das Zimmer auf. Thomas wusste auf einmal, dass er geliebt wurde und jemandes Schatz war und eine ganz tolle Freundin hatte. „Ich glaube euch“, murmelte Thomas, aber das hatte er im Grunde schon immer getan.

Erwin Grosche
Quelle: Begleitheft „Trau dich zu glauben“ zur Erstkommunion 2012, www.bonifatiuswerk.de, In: Pfarrbriefservice.de

Zur Person
Erwin Grosche ist Kinderbuchautor, Kabarettist und Träger des Deutschen Kleinkunstpreises.

Weitere Materialien: 

© flockine / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

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© flockine / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

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Text: Erwin Grosche, www.bonifatiuswerk.de
In: Pfarrbriefservice.de