Markus Hofer
28.06.2017 - 06:00

Beten fordert Haltungen, die der traditionellen Männerrolle widersprechen. Männer werden sozialisiert der Beste zu sein, alles zu wissen und nicht um Hilfe zu bitten. Im Beten ist allerdings das Umgekehrte gefragt. Der Beter macht sich ganz klein und sagt: Ich weiß nicht mehr weiter, bitte hilf mir. Ebenso werkelt der Beter nicht mehr nur im Außenbereich herum, sondern geht in sich, fragt in sich nach, kapituliert. Die unausgesprochene Regel lautet aber: Ein Mann hat keine Probleme und wenn, dann weiß er selber, was zu tun ist. Der Beter hingegen nimmt die umgekehrte Haltung an: Nein, ich weiß nicht mehr weiter. Das ist eine Haltung, die dem vermeintlichen Auftrag, immer der Stärkste und Größte sein zu müssen, widerspricht. Gerade darum wäre Beten eine hervorragende Übung, um aus dem männlichen Größenwahn heraus zu kommen. Statt der Haltung „Ich muss alles machen!“ sagt der Beter: „Jetzt musst du!“ Man kann es auch ihm überlassen.

Beten hilft! Wenn man Wunder vollbringen will, dann nützt nur beten. Es ist die einfachste und effektivste Art der Veränderung und der Zielerreichung. Wenn es Gottes Willen ist, geht es leicht. Der Erfolg muss aber nicht unbedingt das sein, was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Vielleicht hatte er mit mir eben etwas anderes vor. Ob es das Richtige ist, merkt man daran, dass die Energie nicht verloren geht, dass die Sache Kraft hat. Man sollte auch keine zu bescheidenen Vorstellungen haben beim Beten. Er kann nicht mehr geben, als ich bereit bin aufzunehmen. Dafür ist es aber erforderlich, Dinge loslassen zu können. In einen vollen Kasten passt nichts Neues mehr hinein; das Beten wäre dann wieder nur eine Form von Raffen. Erst wenn man sich frei und offen macht für etwas Neues, kann gelingen, was in der Bibel steht: Wenn ihr bittet, wird euch gegeben.

Häufig scheitern Männer daran, dass sie sich nicht vergegenwärtigen, was sie selber wollen. Sie lassen sich von Frau, Kindern, Chef, der Gesellschaft vorschreiben, was sie tun sollen, sind ständig beschäftigt und kommen gar nicht dazu inne zu halten. Beten wäre eine solche Form des Innehaltens, um zu sehen: Wo stehe ich eigentlich? Was will ich eigentlich? Was will Gott von mir? Aber das Entscheidende beim Beten ist: Man muss es tun! Das kann niemand anders für mich. Man muss es tun und es braucht ein wenig Übung, wie das Fußballspielen. Man fängt einfach an, entwickelt immer mehr Spaß dabei und findet im Tun auch den eigenen Stil, die Form, die einem passt und liegt. Vielleicht ist es manchmal leichter, beim Klagegebet anzufangen, zu äußern, wie sauer ich auf das Schicksal oder auf Gott bin, was ich alles nicht bekomme, was alles schief läuft. Nach der Klage kommt die Beruhigung und der Beter wird wieder offen, bis er spürt, dass er letztlich getragen ist.

Quelle: kath-kirche-vorarlberg.at, Autor: Markus Hofer, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Markus Hofer
In: Pfarrbriefservice.de