Männer und ihr Glaube

Markus Hofer
28.06.2017 - 06:00

Django, den Hut über die Augen herunter gezogen und den Sarg im Schlepptau, ist der Prototyp des einsamen Westernhelden, der gnadenlose Rächer. „Gott vergibt – Django nie!“ Ständig kampfbereit und ohne Rücksicht auf Verluste verlässt er sich nur auf sich selber; und geht kaputt dabei. Das Leben wird gnadenlos zu dem, der keine Gnade kennt und mit keiner Gnade rechnet. „Andere beten – Django schießt!“. Man könnte auch sagen: Wer als Werkzeug nur den Hammer (Colt) kennt, hält jedes Problem für einen Nagel.

Wir Männer tun uns manchmal schwer mit dem Vertrauen in etwas, das über unsere eigene Kraft hinausgeht. „Selbst ist der Mann!“ lautet die verlockende Devise. Es zählt nur die eigene Kraft, die eigene Leistung. Und das ist gefährlich, das kann uns auch kaputt machen und führt zum Ausbrennen. Dabei ist es entlastend zu spüren, dass ich nicht allein bin, dass es nicht nur auf mich ankommt. Ruhige Kraft fließt für mich aus dem Glauben, dass ich Werkzeug eines viel Größeren bin. Manneskraft und Gottesfurcht, männliche Stärke und religiöses Vertrauen sind kein unüberbrückbarer Gegensatz. Der Glaube an einen noch Größeren könnte uns Männer vor männlichem Größenwahn bewahren und zu echter männlicher Größe führen. Nur Django kennt keine Gnade.

Als Religion noch nicht langweilig war

„Niemand soll in dieser Nacht schlafen, sondern wach bleiben bis zur Morgenröte.“ Diese abenteuerliche Weisung galt im Frühchristentum für die ganze Osternacht. Da war Religion noch Abenteuer; kein Vergleich mit dem Osterhasen. Auch in der Nacht des Auszugs aus Ägypten war etwas los. Es wurde geschlachtet, gebraten und gebruzelt, die Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand wird gemeinsam gegessen und getrunken. Vermutlich waren da die Männer am Werk mit großen Gesten und im Auftrag des Herrn, die Söhne mit stolzem Blick auf die Väter. Es gab was zu tun. „Liturgie und Indianerspielen“ waren damals noch kein Widerspruch.

Nicht selten erinnern heutige Eucharistiefeiern eher an das sonntägliche Sahnehäubchen als an eine Begegnung mit Gott, die bekanntlich nie ganz gefahrlos war. Manchmal ist alles sehr nett und kuschelig, mit hübschen Symbolen und Liedern und bringt trotzdem nichts Großes zum Schwingen, bei den Männern schon gar nicht. Die vermeintliche „Männerkirche“ ist eine von Priestern geleitete und von Frauen getragene Kirche, die letztlich nicht viel Platz für Männer schafft. Die Suche nach „männlichen Tischmüttern“ muss zwangsläufig scheitern.

Nicht nur für Weicheier

Ein Pfarrer startete eine Umfrage: „Warum drängen sich in unserer Kirche die Männer wie eine verschreckte Herde in Winkel und letzte Bänke?“ Eine der Antworten lautete: „Wo Frauen überwiegen – und das trifft in der Kirche meistens zu –, zieht sich der Mann zurück.“ Diese Antwort stammt aus einem über vierzig Jahre alten Pfarrblatt, und im Grunde hat sich bis heute nicht viel daran geändert; am ehesten bei jungen Familienvätern. Für Männer ist es eine elementare Frage, ob das, was sie tun, auch männlich ist. Im Revier von Religion und Kirche gilt jedenfalls für die meisten die Devise: nur nicht auffallen. Dabei tun Männer ansonsten sehr viel um aufzufallen. Am ehesten findet man Männer noch dort, wo es um Bauen und Geld geht, da sind sie wenigsten in ihrem Revier – oder wenn es beim Pfarrfest darum geht Bänke und Tische aufzustellen und das Bierfass anzustechen. Ansonsten spielen sie in der vermeintlichen Männerkirche keine große Rolle mehr. Schon gar nicht haben sie das Gefühl, sie hätten so etwas wie Macht in der Kirche, nur weil sie Männer wären. Viel mehr überlegen sie sich, ob diese „Männerkirche“ für gestandene Männer noch männlich genug ist, oder ob sie sich nicht schon in weiblichen Revieren bewegen. „Das ist höchstens etwas für Weicheier“, könnte es am Stammtisch lauten. Zudem: Wenn Männer für das Pfarrfest Fässer schleppen und Biertische aufstellen, heißt es allzu schnell: typisch, wo es ums Bier geht. Doch Männer zeigen ihre Liebe, indem sie etwas tun, und darum hat in ihren Männerseelen das Schleppen von Biertischen vielleicht nicht nur mit Durst zu tun, sondern auch mit ihrer Beziehung; wenn nicht sogar noch mehr. Doch wer sieht das noch?

Mag sein, dass Männer in der pfarrlichen Arbeit weniger pflegeleicht sind als manche Frauen, kantiger auftreten und erst geholt werden wollen. Gewinnt man aber die Männer, dann kann man auch auf sie bauen und zählen. Dafür ist es jedoch erforderlich, dass man kirchlich einen spezifischen Blick für die Männer entwickelt.

Männer glauben anders

Männer glauben anders und wissen oft selbst nicht wie. Weder die gewohnte Frömmigkeit noch das aktuelle kirchenpolitische Geschehen, weder die frommen Frauen noch die amtlichen Kirchenmänner sind es, wonach sie suchen. Was sie in den Gemeinden erleben, ist ihnen oft zu sanft und lieblich – da fehlt die spirituelle Herausforderung. Tief empfundene Spiritualität geht unter die Haut, lässt manchmal heiße und kalte Schauer über den Rücken ziehen. Männliche Spiritualität ist vermutlich wortkarger, gröber, vielleicht auch archaischer. Männer suchen weniger die Geborgenheit im Schoß der Mutter Kirche, als viel mehr die Herausforderung, die Aufgabe.

Spiritualität braucht auf Dauer Formen, in denen sie gelebt wird. Männer haben Mühe zwischen Arbeitsplatz und Kraftkammer, zwischen Familie und Fußballplatz auch noch ihrem Glauben Gestalt zu geben. Der gefühlvolle Sitzkreis um die gestaltete Mitte ist es ebenso wenig wie die erfahrungsarme Theologie. Vermutlich finden Männer ihren Glauben weniger im Reden als im Tun, in körperlich vermittelten Erfahrungen des Religiösen. Vielleicht würde es sich lohnen jenseits von hohlem Männerpomp und seichtem Esoterikkitsch alte Formen und kraftvolle Rituale aus dem Fundus unserer kirchlichen Tradition neu für Männer zu beleben.

Männer dürfen im Religiösen ihre eigenen Formen finden, auch wenn sie vermutlich ritualisierter sind und pathetischer. Vielleicht ist es auch ein Merkmal männlicher Spiritualität, dass das Erschreckende des Glaubens wesentlich mit im Spiel ist. Männliche Kraft und Aggressivität weiß um Gratwanderungen und Abgründe. Die alttestamentlichen Psalmisten durften noch fluchen und klagen; was heute höchstens als männliche Unart gilt. Doch sogar Jesus hat den Menschen nicht nur die Füße, sondern auch den Kopf gewaschen.

Quelle: kath-kirche-vorarlberg.at, Autor: Markus Hofer, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Markus Hofer
In: Pfarrbriefservice.de