Religiöses Buch des Monats September 2017

Sankt Michaelsbund
Religiöser Buchtipp für September 2017

© St. Benno-Verlag, Leipzig

Der religiöse Buchtipp für September 2017

Die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft ist eines der großen Themen unserer Zeit: Immer mehr Menschen werden immer älter, der Anteil der Hochbetagten nimmt kontinuierlich zu. In dieser Situation ruft der frühere Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, inzwischen selbst 81 Jahre alt, Theologie und Kirchen dazu auf, diese Ausdehnung der Lebensphase des Alters bewusst aus einer religiösen Perspektive in den Blick zu nehmen.

Einsicht in ein Weniger und in ein Mehr

Gerade durch seine Begrenzungen, durch das bevorstehende Ende legt das Alter dem Menschen die Einsicht nahe, das Leben nicht in den eigenen Händen zu halten, wie er vielleicht lange dachte. Diese Einsicht in ein Weniger an Möglichkeiten gibt aber auch ein Mehr an Freiheit und Offenheit: „Die Armut des Menschen vor Gott, das Wissen um die menschliche Bedürftigkeit und um die Notwendigkeit, das Entscheidende von Gott her zu erhalten, machen den alten Menschen erst reich.“

Das eigene Älterwerden annehmen

Dieser Schritt, das eigene Älterwerden mit all seinen Begleiterscheinungen anzunehmen, fällt gerade dem modernen Menschen schwer, aber er bringt ihm durchaus auch Gewinn: „Aus dem Gefühl der Vergänglichkeit kann etwas in sich selbst Positives kommen: das immer deutlicher werdende Bewusstsein von dem, was nicht vergeht, was bleibt und dauert.“ Die Freiheit, Besitz, Macht und Einfluss als vergänglich loslassen zu können, hängt freilich – wie Kardinal Lehmann im zweiten Teil deutlich macht – in hohem Maße davon ab, ob man dieses irdische Leben als das einzige ansieht oder ob man voll Vertrauen auf Gott an ein ewiges Leben glaubt, das uns nach dem Tod jene Erfüllung verheißt, die wir im irdischen Leben niemals finden werden.

Im alten Menschen offenbart sich das Geheimnis jedes Lebens

Das neue Büchlein von Kardinal Lehmann ist vom Umfang her überschaubar, die Schrift ist augenfreundlich – das sollte aber niemanden zu dem Missverständnis verleiten, es wäre nun ausschließlich ein Buch für die ältere Generation. Denn bedeutsam sind die darin angesprochenen Fragen für jeden Menschen: „Im Antlitz des alten Menschen können wir wieder neu das Gesicht und das Bild des Menschen überhaupt entdecken. Wir hätten viel gelernt für den Umgang mit Leben und für unsere Sorge um die alten Menschen, wenn wir neu wahrnähmen, wie sehr sich uns gerade im alten Menschen das Geheimnis jedes Lebens offenbart.“ (Sankt Michaelsbund)

Karl Lehmann: Die Würde des Alters und die Vollendung des Lebens. Leipzig : St. Benno Verlag, 2017. – 80 S.; 8,95 €

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

Ab sofort ist bei Angabe der Quelle der freie Abdruck des Textes erlaubt.

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Religiöses Buch des Monats September 2017

von Sankt Michaelsbund
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Die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft ist eines der großen Themen unserer Zeit: Immer mehr Menschen werden immer älter, der Anteil der Hochbetagten nimmt kontinuierlich zu. In dieser Situation ruft der frühere Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, inzwischen selbst 81 Jahre alt, Theologie und Kirchen dazu auf, diese Ausdehnung der Lebensphase des Alters bewusst aus einer religiösen Perspektive in den Blick zu nehmen.

Einsicht in ein Weniger und in ein Mehr

Gerade durch seine Begrenzungen, durch das bevorstehende Ende legt das Alter dem Menschen die Einsicht nahe, das Leben nicht in den eigenen Händen zu halten, wie er vielleicht lange dachte. Diese Einsicht in ein Weniger an Möglichkeiten gibt aber auch ein Mehr an Freiheit und Offenheit: „Die Armut des Menschen vor Gott, das Wissen um die menschliche Bedürftigkeit und um die Notwendigkeit, das Entscheidende von Gott her zu erhalten, machen den alten Menschen erst reich.“

Das eigene Älterwerden annehmen

Dieser Schritt, das eigene Älterwerden mit all seinen Begleiterscheinungen anzunehmen, fällt gerade dem modernen Menschen schwer, aber er bringt ihm durchaus auch Gewinn: „Aus dem Gefühl der Vergänglichkeit kann etwas in sich selbst Positives kommen: das immer deutlicher werdende Bewusstsein von dem, was nicht vergeht, was bleibt und dauert.“ Die Freiheit, Besitz, Macht und Einfluss als vergänglich loslassen zu können, hängt freilich – wie Kardinal Lehmann im zweiten Teil deutlich macht – in hohem Maße davon ab, ob man dieses irdische Leben als das einzige ansieht oder ob man voll Vertrauen auf Gott an ein ewiges Leben glaubt, das uns nach dem Tod jene Erfüllung verheißt, die wir im irdischen Leben niemals finden werden.

Im alten Menschen offenbart sich das Geheimnis jedes Lebens

Das neue Büchlein von Kardinal Lehmann ist vom Umfang her überschaubar, die Schrift ist augenfreundlich – das sollte aber niemanden zu dem Missverständnis verleiten, es wäre nun ausschließlich ein Buch für die ältere Generation. Denn bedeutsam sind die darin angesprochenen Fragen für jeden Menschen: „Im Antlitz des alten Menschen können wir wieder neu das Gesicht und das Bild des Menschen überhaupt entdecken. Wir hätten viel gelernt für den Umgang mit Leben und für unsere Sorge um die alten Menschen, wenn wir neu wahrnähmen, wie sehr sich uns gerade im alten Menschen das Geheimnis jedes Lebens offenbart.“ (Sankt Michaelsbund)

Karl Lehmann: Die Würde des Alters und die Vollendung des Lebens. Leipzig : St. Benno Verlag, 2017. – 80 S.; 8,95 €

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

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