Internet-Umfrage und Studie

Bistum Essen
Kirchenaustritt

© Nicole Cronauge | Bistum Essen

Das Bistum Essen möchte mit einer Studie lernen, wie es die Zahl der Kirchenaustritte reduzieren kann. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen

Glaubensverlust, Unzufriedenheit oder die Kirchensteuer? – das Bistum Essen möchte wissen, warum Menschen aus der katholischen Kirche austreten, um künftig besser auf seine Mitglieder eingehen zu können. Im Internet hat das Bistum auf der Seite kirchenstudie.bistum-essen.de jetzt eine eigene Umfrage gestartet. Dort können Katholiken und Ausgetretene schreiben, weshalb sie Mitglied der Kirche sind oder diese verlassen haben. Außerdem können die Teilnehmer in einem kleinen Fragebogen angeben, was ihnen an der Kirche wichtig ist und worauf sie auch verzichten könnten. Bei Interesse können die Umfrage-Teilnehmer am Ende des Fragebogens an einer größeren Studie zum Thema Kirchenmitgliedschaft teilnehmen.

Die Online-Umfrage ist Teil einer größeren Studie, bei der das Bistum Essen mit verschiedenen Hochschulen und Instituten bundesweit zusammenarbeitet. „Neben den Gründen für einen Kirchenaustritt interessiert uns, weshalb so viele Menschen Mitglied der katholischen Kirche sind und dafür Mitgliedsbeiträge zahlen, aber kaum Angebote der Kirche nutzen, sagt Projektleiter Thomas Rünker. So besuchten im Schnitt nicht einmal zehn Prozent der knapp 800.000 Katholiken im Bistum Essen regelmäßig einen Sonntagsgottesdienst. Beteiligt sind an der Studie unter anderem das Zentrum für angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität Bochum, die Universität Siegen, die CVJM-Hochschule Kassel und das philosophisch-theologische Institut M.-Dominique Chenu in Berlin.

Rünker leitet das Projekt „Initiative für den Verbleib in der Kirche“, das im Rahmen des Zukunftsbilds des Bistums Essen verstehen will, wie Austrittsprozesse verlaufen und Strategien entwickelt, die Zahl der Kirchenaustritte zu reduzieren. „Wenn jemand aus der Kirche austritt, schmerzt uns das als Glaubensgemeinschaft, weil dieser Austritt eine Trennung dokumentiert. Gleichzeitig ist der eigentliche Kirchenaustritt aber oft nur das Ende eines langen Wegs der Entfremdung, den wir nun mit diesem Projekt besser verstehen wollen“, erläutert Rünker.

Gerade für das Bistum Essen bedeute jeder Kirchenaustritt aber auch deutliche finanzielle Einbußen, macht Rünker klar. Denn im Gegensatz zu anderen Bistümern sei die Kirchensteuer als Mitgliedsbeitrag der Katholiken für die Kirche im Ruhrgebiet und dem Märkischen Sauerland die zentrale Einnahmequelle.

Jährlich rund 5000 Männer und Frauen haben zuletzt die katholische Kirche im Bistum Essen verlassen – und mit ihnen Kirchensteuern in jährlich sechsstelliger Höhe. Geld, dass dem Ruhrbistum spürbar fehlt. Zwar können dank der guten Konjunktur die steigenden Löhne und die damit verbundenen Kirchensteuereinnahmen diese Verluste derzeit noch auffangen. Doch künftige Kostensteigerungen etwa bei den Pfarrgemeinden oder bei den Kitas wird das Bistum kaum stemmen können.

Hinter dem Projekt zur Reduzierung der Kirchenaustritte steckt aber nicht nur ein finanzielles Thema, sondern auch eine Haltungsfrage, betont Rünker: „Es wäre schon etwas erreicht, wenn wir in der Kirche mehr darauf achten würden, was den Menschen wichtig ist, die nur selten Kontakt zu uns suchen – die beispielsweise Weihnachten in die Kirche kommen, die heiraten wollen oder bei einem Trauerfall anrufen. Schließlich finanzieren diese Mitglieder ebenso wie die regelmäßigen Besucher den Erhalt des Gebäudes, die Musik, den Blumenschmuck und den Lebensunterhalt des Pastors.“

Erste Ergebnisse der Online-Umfrage und der dahinter stehenden wissenschaftlichen Studie sollen bereits im Sommer vorliegen und dann auch veröffentlicht werden. „Wir wollen aus den Ergebnissen möglichst schnell Ideen entwickeln, wie sich unsere Kirche auf allen Ebenen weiter entwickeln kann, um auch für die Mitglieder attraktiv zu bleiben, die mit unseren bisherigen Angeboten wenig anfangen können.“

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